Mrz 23 2009
Joao Carlos Martins Goldberg-Variationen
Um es gleich vorweg zu nehmen: Joao Carlos Martins Einspielung der Goldberg-Variationen aus dem Jahre 1994 gehört definitiv nicht zu meinen Favoriten. Martins extremer Einsatz der Dynamik liegt mir besonders fern. Schon die Aria mutiert nach grazilen Beginn zum Ende hin in ein fast orchestrales Finale. Und dann setzt die erste Variation mit viel zu hohem Tempo ein, so als sei man auf der Jagd. An dieser Stelle habe ich mich das erste Mal gefragt, ob ich die restlichen Variationen noch hören möchte.
Doch ab der zweiten Variation wird es von einigen Ausnahmen abgesehen, zumindest für meine Ohren, wieder zumutbarer. Hier möchte ich besonders die Variation 6 – Canon alla Seconda – hervorheben. Martins spielt so extrem schleppend, dass man als Zuhörer zu hoffen beginnt, dass diese Variation schnell ein Ende finden möge. Beendet wird das Gesamtwerk mit einer Aria, die Martins auf einem Cembalo spielt. Obwohl mir die Interpretation dieser Aria besser als die erste gefällt, hätte Martins besser daran getan, seinen Flügel zu benutzen. Zu stark ist der klangliche Kontrast.
Insgesamt wirken Martins Goldberg-Variationen auf mich wie eine Art Patchwork. Möglicherweise wollte Joao Carlos Martins mit einigen Variationen provozieren, das aber ging auf Kosten des Gesamteindruck. Das Ganze ist eben mehr als die Summe seiner Einzelteile.
Joao Carlos Martins Interpretation der Goldberg-Variationen kann ich definitiv nicht weiterempfehlen.
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