Mai 02 2009
Goldberg: Variations
Gabriel Josipovicis Novelle “Goldberg: Variations” hat mich natürlich wegen des Titels und der vielen positiven Kritiken interessiert. Leider musste ich mich bis zum Schluß durch dieses Buch quälen, denn es ist sehr verworren und die Hoffnung, es hätte etwas mit den Goldberg-Variationen nur zu tun, bleibt unerfüllt. Das Gute: die Hoffnung wird einem schon gleich zu Anfang genommen.
Die Novelle spielt zunächst im 18. Jahrhundert und beginnt damit, dass ein gewisser Samuel Goldberg, seines Zeichens Auftragsautor von Beruf, zu dem an Schlaflosigkeit leidenden Aristokraten und Philosophen Tobias Westfield gerufen wird. Goldberg soll Abhilfe schaffen, indem er für Mr. Westfield neue Geschichten erfindet und diese des Nachts vorliest, bis der schlaflose Aristokrat eingeschlafen ist. Da Westfield schon alles kennt, was je geschrieben wurde, kann nur etwas absolut Neuartiges ihn wieder “zum Leben” erwecken. Das erinnert natürlich an die überlieferte Legende der Bachschen Goldberg-Variationen, wie die selbigen zu ihrem Namen kamen. Wie soll Goldberg es nun bewerkstelligen, tagsüber etwas Neues zu schreiben und abends vorzulesen? Dieses erste Kapitel ist als Brief von Samuel Goldberg an seine Ehefrau verfasst, und genau das ist es, was er Westfield vorliest.
Die weiteren Kapitel erscheinen wie eine lose Sammlung von Geschichten, die zumeist nur dadurch zusammengehalten werden, dass sie von Personen handeln, die mit Goldberg oder Westfield verwandt sind. Im 14. Kapitel folgt dann eine Geschichte, die plötzlich Anfang des 20. Jahrhundert handelt, und zwar von einem Buchautor, der sich mit seiner Ehefrau auf einer Reise zu einer Ausstellung von Paul Klee befindet. Dieser Autor ist gerade dabei ein Buch zu beenden und es bereitet ihm Kopfzerbrechen. Am Ende dieses fremdartig erscheinenden Kapitel wird er Autor von seiner Frau verlassen. Es folgen wieder Kapitel über Goldberg, Westfield und ander Personen aus dem 18. Jahrhundert, bis plötzlich wieder eine Kapitel von dem modernen Buchautor folgt. Nach und nach wird klar, dass die Kapitel über Goldberg und Westfield nur Kapitel aus dem noch zu vollendende Buch des Autors aus dem 20. Jahrhundert sind. Ein Buch über ein Buch über ein Buch.
Gabriel Josipovici hat hier ein sehr vertraktes Gebilde produziert, das sehr intelligent erdacht ist. Ein Novelle, die Teile eines Buches enthält, das selbst Teil eines Buches ist. Für meinen Geschmack etwas zu intelligent.
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