Nov 15 2009
Das Bachhaus in Eisenach
In Eisenach steht das Bachhaus, von dem die meisten Besucher glauben, dass es sich bei dem verwinkelten ockerfarbenen Bau in der Altstadt um das Geburtshaus von Johann Sebastian Bach handle. Man nimmt heute aber an, dass Bach am 21. März 1685 (Julianischer Kalender) vermutlich im Haus Rittergasse 11, direkthinter dem Bachhausgarten geboren. Das Bachhaus und Museum selbst besteht aus zwei Häusern aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, die Anfang des 17. Jahrhunderts zu einem Gebäude verbunden wurden.
Seit 1907 ist das Bachhaus ein Museum und zeigt, so der Satzungsauftrag, “alles, was Johann Sebastian Bach und sein Lebenswerk angeht”. In dem 600 Jahren alten Haus wird alles über Bach gesammelt, bewahrt und kategorisiert. Mit rund 70.000 Gästen jährlich ist es wohl das meistbesuchte Musikermuseum Deutschlands. Ein Viertel der Besucher kommen aus dem Ausland. Die Führungen gibt es in mehreren Sprachen. Zu jeder vollen Stunde werden auf historischen Instrumenten aus der Zeit Bachs seine Kompositionen vorgeführt.
Neben dem typischen Hausrat einer Großfamilie aus Bachs Epoche sind seit einiger Zeit auch zwei üppig illustrierte Bibeln zu sehen, die als Inspirationsquelle beim Komponieren genutzt wurden. Als Bill Clinton, früherer US-Präsident und bekennender Bach-Fan, das Museum 1998 besuchte, waren sie noch nicht zu bewundern.
Eine lichtdurchströmte Halle wurde vor zwei Jahren dem Bachhaus hinzugefügt. Es besteht aus Muschelkalkstein und verdoppelt die Ausstellungsfläche auf 600 Quadratmeter. Hier werden Porträts des Komponisten präsentiert, die das Bachhaus, eine Institution der Bachgesellschaft mit Sitz in Leipzig, sammelt.
Der Leipziger Maler Haussmann porträtierte das berühmteste Gemälde und soll das einzige sein, bei dem Bach als lebende Person gemalt worden ist. Im 19. Jahrhundert, als Felix Mendelssohn Bartholdy die Musik Bachs wiederentdeckte, wollte man genau wissen, wie der Komponist aussah. 1895 wurden deshalb Bachs Gebeine ausgegraben und vermessen. Daraufhin modellierte der Bildhauer Carl Seffner den Künstlerkopf nach Originalmaßen. Neben der Büste im Eisenacher Bachhaus auch der Kupferguss des Schädels. Den ausgeprägten Hinterkopf machten die Zeitgenossen Seffners für die große Musikalität des Komponisten verantwortlich.
Ein Höhepunkt im Neubau ist das “Begehbare Musikstück”, eine Inszenierung mit einer 180-Grad-Leinwand. Drei Bachwerke werden aufgeführt und visualisiert. Erstaunlich, wie bewegte Körper die Musik umsetzen können. Diese Inszenierung ist in der deutschen Museumslandschaft einmalig. Es soll Besucher geben, die vor allem ihretwegen anreisen.
Das Bachhaus befindet sich in Einsenach am Frauenplan 21 und hat täglich von 10-18 Uhr geöffnet.
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